Dauerausstellung Flachs zu Leinen

Die Abbildung oben zeigt einen Ausschnitt aus der Darstellung De claris mulieribus von Giovanni Boccaccio, entstanden in Frankreich etwa 1440.

Rohfaser vor dem Spinnen

Stoffe selbst herstellen – in früheren Zeiten eine notwendige Selbstverständlichkeit

Hintergrund

Kleidung steht uns heute in kaum überschaubarer Auswahl zur Verfügung. Auch Stoffe sind erhältlich, um Kleidung, Vorhänge, Tischdecken und vieles mehr selbst herzustellen.

Die Menschen in früheren Zeiten hatten es nicht so einfach oder besaßen schlicht nicht das Geld, um notwendige Dinge wie Kleidung einfach zu kaufen.

Unsere kleine Ausstellung soll zeigen, wie mit dem Anbau von Flachs aus dem so gewonnen Rohstoff in zahlreichen Arbeitsschritten Stoffe zur weiteren Verarbeitung hergestellt wurden.

Saat und Ernte

Der Leinensamen, so sagt es eine alte Volksweisheit, wird am 100. Tag des Jahres ausgesät und nach weiteren 100 Tagen geerntet, gerauft. Die Pflanzen lassen sich leicht samt Wurzel aus der Erde ziehen.

Dann werden sie zu Hocken aufgestellt, bis die Stengel trocken sind. Die Flachsgarben werden anschließend an einen trockenen Platz auf dem Hof gebracht.

Samen für die nächste Aussaat

Mit diesem Riffel genannten Werkzeug werden die Samen von dem geernteten Flachs getrennt.

Mit dem Riffel werden die Samen geerntet

Das Rösten (Rotten) und Dörren

Nach der Erntezeit im Herbst werden die Flachsgarben für einige Zeit ins Wasser gelegt (Wasserrösten) oder auf einer Wiese ausgebreitet (Taurösten). Sie werden für ungefähr 2-4 Wochen feucht gehalten, bis ein Fäulnisprozeß einsetzt und die Flachsfaser sich dadurch vom Stengel leichter lösen läßt. Um dieses Ziel noch zu optimieren, werden die Flachsstengel nach dem Rotten geröstet, also unter Hitzeeinwirkung getrocknet.

Der Brechbock

Auf dem Brechbock werden die Flachsgarben eingeklemmt und die äußere Hülle des Stengels gebrochen. Durch das Brecheln werden die außen liegenden Flachsfasern freigelegt. Manchmal wird das Leinenbüschel auch noch im Brechbock/Brechelbock hin und her gezogen, damit sich die Holzfasern noch besser von den Pflanzfasern lösen.

Die Holzfasern wurden früher als Einstreu verbraucht, heute sind sie auch ein guter Dämmstoff.

Sich verheddern

Der Spruch ist abgeleitet von den wirren Schwing- und Hechelabfällen, die durcheinander liegen.

Der Hechelkamm

Nach dem Flachsbrechen werden die Flachsfasern zunächst durch einen groben Kamm (grobes Nagelbrett) und dann durch einen feinen Kamm (feines Nagelbrett) gezogen, womit die Holzfasern entfernt werden. Die minderwertigen kurzen Fasern werden dann zu groben Stoffen verarbeitet, die Langfasern weiter von Holzresten gereinigt.

Das Schwingholz

Wenn jetzt noch die letzten Holzfasern aus den Leinenfasern durch das Schwingmesser abgeschlagen sind, hat man Leinenfaser von bester Langfaserqualität. Nur diese wird zu Kleidungsstoffen weiterverarbeitet. Die Kurzfasern kommen zu den anderen vom Kämmen und werden nur zu groben Stoffen, wie etwa zu Säcken, verarbeitet.

Nun kann die Leinfaser gesponnen werden.

Das Spinnrad

Zunächst einmal muß die Leinenfaser auf den Rocken gebunden werden, das geschieht oft mit hübschen Schleifenbändern. Von diesem Rocken werden einige Fasern herausgezogen und auf der Spule befestigt.

Nun kann das Spinnrad für den Leinenfaden nach links in Schwung gebracht und durch gleichmäßiges Treten in Bewegung gehalten werden.

Irisches Langrad um 1900

Das Spinnen

An der Spindel sind oft kleine Haken, über die der Spinnfaden gezogen wird, damit es ganz gleichmäßige Knäuel gibt.

Am Spinnrad ist immer ein Wassernapf zum Fingeranfeuchten in der Nähe, denn die Faser ist rauh und würde auf die Dauer die Finger aufreißen. Das Wasser macht die Faser geschmeidiger.

Spinnst du?

Das Spinnen war früher den jungen Mädchen vorbehalten, wozu sich oft mehrere trafen und bei der Arbeit Geschichten erzählten, die als Dorftratsch manchmal von der Wirklichkeit entfernt waren. Daher kommt noch heute die Redewendung „Der/die spinnt doch!“ oder gar die Konfrontation: „Spinnst du?“

Die Haspel

Ist die Spule des Spinnrades voll, muß das fertige Garn auf die Haspel gewickelt werden. Dadurch erhält man gleichmäßige Garnstränge, die sich gut waschen, bleichen und aufbewahren lassen. Bei vielen Haspeln erklingt nach einer bestimmten Anzahl von Drehungen ein akustisches Signal, so kann man leichter die gleiche Länge der Kettfäden feststellen.

Das Spulrad

Auf dem Spulrad werden die Pappspulen eingelegt und der Leinenfaden für das Schiffchen aufgewickelt (Schußspule). Dann kann der Quer- oder Schußfaden in das Weberschiffchen eingelegt werden.

Doch noch fehlen die längs laufenden Fäden, ein aufwendiger Arbeitsgang.

Auch der wird mit dem Spulrad vorbereitet.

Flachs zu Leinen

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